Alles andere als hoffnungslos Herumirrende: Frischer Folk von We used to be Tourists

We used to be Tourists gibt es gerade mal seit einem Jahr. Ihren ersten Auftritt hatte die Kölner Band bereits zwei Monate nach ihrer Gründung im Underground, das erste Musikvideo brachte sie im Sommer heraus und ihre Debut EP soll noch dieses Jahr auf Vinyl gepresst werden. Im Interview sprechen wir mit Ben, Isa, Benny und Konstantin über ihre Musik, die Mumford & Sons und Crowdfunding.

Seit wann gibt es euch denn jetzt genau?

Ben: Ziemlich genau seit einem Jahr, Konstantin, du bist als letzter dazu gekommen, wann ist unser Geburtstag?
Konstantin: Das weiß ich grad nicht.
Ben: Ich dachte, das hast du dir mit Herzchen in deinen Kalender eingetragen?
Konstantin: Ja, aber ich hab meinen Kalender grad nicht dabei…
Ben: Das ist übrigens unser erstes Interview. Wir könnten jetzt noch Bandrollen verteilen, dann wäre Konstantin der, der immer irgendwelche anderen Sachen macht.
Konstantin: Mir ist grad ein Insekt in den Mund geflogen.
Ben: (Lacht) Genau das meine ich…

Wie ist es denn dazu gekommen, dass ihr vier zu einer Band zuammen gekommen seid?

Ben: Ich habe mit meiner damaligen Band The Paper Queens in Werl mal auf einem Konzert gespielt. Dort hat zufällig auch Benny mit seiner alten Band gespielt. Ich komme aus Lippetal, einem Kaff in der Nähe. Benny kommt aus Hamm, sodass wir beide noch Verbindungen in die Gegend hatten, aber uns gegenseitig bis dahin noch nicht kannten. Irgendwann hab ich dann in Köln jemanden verabschiedet und dann winkte mir aus der abfahrenden Bahn noch jemand zu. Ich habe ihn erst nicht erkannt, aber das war dann eben Benny. Ich schrieb ihn dann per Facebook an und fragte, wie es mit seiner Band läuft.

Benny: Für mich war das mit meiner alten Band schon aufgrund der Entfernung schwierig. Von Köln nach Hamm fährt man nicht mal eben so. Aber es dauerte dann noch eine Weile, bis wir uns tatsächlich trennten und dann nochmal bis ich mal bei Ben und Isa vorbeigeschaut hab.

Ihr habt also zu der Zeit schon zusammen gespielt, Isa und Ben?

Isa: Ja, genau. Ich bin die Einzige in der Band, die vorher nur allein Musik gemacht hat und wollte dann aber lieber mit anderen was zusammen machen. Durch eine Anzeige im Internet bin ich dann auf Ben gestoßen, wir haben uns getroffen und es hat alles ganz gut zusammen gepasst.

Und wie bist du dazugekommen, Konstantin?

Auch durch eine Anzeige im Internet. Ich hab in vielen Bands gespielt vorher und auch noch sehr lange bei Thorsten Powers. Dort hab ich aber aufgehört, weil ziemlich schnell klar war, dass wir vier gut zusammen passen.

In euren Songs geht es um Rastlosigkeit, Heimweh und Fernsucht, jedenfalls kann man das auf eurer Website lesen. Was hat es damit auf sich?

Ben: Ohje, das war so ein Text, den wir kurz vor unserem ersten Konzert schnell schreiben mussten. Das hat sich erstmal ganz gut angehört. Aber letztlich ist das “Unterwegs sein” schon ein Motiv, das uns begleitet. Das kommt zum Teil auch daher, weil ich, bevor wir angefangen haben zusammen zu spielen, auf einem Roadtrip in den USA war und dort viel geschrieben habe. Als ich wiederkam, war zwar klar, dass es mit der alten Band nicht mehr weitergehen kann – aber ganz ohne Band ging es auch nicht. Abschied und Neubeginn, das findet sich dann auch in unseren Texten wieder.

Isa: In unserem Song Little Ghosts geht es zum Beispiel darum, wie es ist, von einer langen Reise heim zu kommen. Es geht darum, dass wir alles, was wir bisher gesehen und erlebt haben, jetzt in unsere gemeinsame Arbeit mit der Band einfließen lassen. Auf eine gewisse Weise sind wir also angekommen, auf eine andere geht der Weg natürlich immer weiter.

Ben: Wenn wir mit der Band unterwegs sind, heißt das auch, dass man nicht so sehr im normalen Alltag steckt. Wenn wir zusammen für einen Auftritt in eine Stadt fahren, lernen wir jedes Mal neue Leute kennen. Selbst wenn wir hier sind und zweimal die Woche proben und an neuen Sachen arbeiten, ist da immer wieder was Neues und immer Bewegung drin.

Welche Musik hört ihr selber gerne?

Ben: Ryan Adams, Shins, Death Cab for Cutie oder Decemberists fallen mir da spontan ein.

Benny: Viel amerikanischer Indie, vieles was auf dem Subpop Label erscheint.

Isa: Bombay Bicycle Club mag ich sehr.

Was haltet ihr von den Mumford & Sons?

(Lautes Lachen)

Ben: Nein, ich möchte nix dazu sagen…Ne, also wir hatten eine sehr intensive Unterhaltung darüber auf der Fahrt nach Hamburg. Ich kann die ja ehrlich gesagt nicht mehr hören. Ich mein das nicht böse, und ich find die Musik auch eigentlich ganz gut. Aber die sind einfach totgespielt und mittlerweile ist mir zumindest Marcus Mumford ziemlich unsympathisch. Es gibt da diesen Film Big Easy Express wo Mumford & Sons in einem alten Zug mit Edward Sharp & The Magnetic Zeros und Old Crow Medicine Show quer durch die USA touren. Und da wirken Mumford & Sons im Gegensatz zu den anderen irgendwie aufgesetzt. Lustigerweise kam am gleichen Tag zum Erscheinen des aktuelle Videos, Hopeless Wanderer, ein Artikel in der Vice mit dem Titel Fallt bloß nicht auf Mumford & Sons rein, raus.

Benny: Also ich finde schon gut, was die so machen. Aber egal, was man von der Band und deren Musik hält: Man muss schon anerkennen, dass es bei uns gewisse stilistische Ähnlichkeiten gibt. Und letztlich ist es denen ja auch zu verdanken, dass dieser Sound im Mainstream angekommen ist.

Ben: Mumford & Sons ist eben Folk für die breite Masse, wenn man so will. Die Musikrichtung an sich, hat ja doch noch mehr zu bieten als den immer gleich stampfenden Beat und das Banjo Gezupfe.

Ihr wart schon im Studio und wollt eure EP Make It Home Alive im Oktober auf Vinyl pressen lassen, das ist ja sehr ambitioniert. Warum geht das alles so schnell bei euch?

Ben: Im Vergleich zu meiner alten Band geht jetzt vieles einfach schneller. Das liegt auch daran, dass alle an einem Strang ziehen. Außerdem haben wir bisher so gut wie alle Auftritte gespielt, die wir angeboten bekommen haben.

Unseren ersten Auftritt hatten wir auch direkt im Underground, eigentlich ein ziemlicher Zufall. Der Booker kannte mich über Ecken und hat angefragt, ob wir als Vorband von Home of the Lame spielen wollen. Er meinte aber eigentlich meine alte Band, die es schon gar nicht mehr gab. Ich habe ihm angeboten, dass wir stattdessen auftreten. Das passte von der Musik her besser zum Hauptact, war aber auch sehr früh für uns.

Was die Studioaufnahmen angeht, hatten wir ziemliches Glück. Der Produzent hat uns ein gutes Angebot gemacht, weil er uns gern aufnehmen wollte. Er hat sich sehr eingebracht mit eigenen Ideen, und zwei Nächte mit uns durchgemacht. Sonst kenn ich es eher so, dass hinter dem Mischpult einer sitzt, der auf Aufnahme drückt und sagt, das war gut oder schlecht. Aber, das jemand mit so vielen eigenen Ideen kommt, ist schon was Besonderes.

Benny: Viele Dinge, die wir im Studio das erste Mal so gemacht haben, haben wir dann auch weitergeführt. Also musikalisch hat uns das richtig viel gebracht.

Isa: Aber nicht nur musikalisch, auch was die Band als Gruppe angeht, ist das schon eine Bewährungsprobe, wenn man vier Tage und zwei Nächte aufeinander hängt. Aber zum Glück ist alles gut gegangen.

Warum unbedingt Vinyl und wie bringt ihr das Geld für die Pressung auf?

Benny: Die Sache ist, dass wir unsere Aufnahmen jetzt nicht einfach auf einen Rohling brennen wollen. Wir haben schon einiges an Arbeit und Geld in die EP gesteckt und sind mit den Aufnahmen echt zufrieden. Und als Vinylliebhaber war es dann naheliegend zu sagen: Wir machen jetzt Nägel mit Köpfen.

Isa: Aber vor allem die Pressung auf Vinyl ist sehr teuer. Daher starten wir gerade ein Crowdfunding Projekt um das zu finanzieren. Als Dankeschön wird es dann zum Beispiel Mixtapes auf Kassette geben oder selbstbedruckte Jutebeutel mit dem CD/Vinyl-Set drin. Für uns, als noch ziemlich unbekannte Band, ist es schwierig irgendeine Art der Finanzierung zu bekommen. Daher ist Crowdfunding für uns der ideale Weg.

Wenn ihr We used to be Tourists unterstützen wollt, dann tut das hier. Das Video zur ersten Single Minus x Minus könnt ihr hier anschauen:

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