Kein Platz für Konzerte

Wie vier Jungs aus der niederrheinischen Provinz unter dem Namen „Kein Platz für Konzerte“ kulturelles Leben in ihre Heimat bringen.

Die niederrheinische Gemeinde Uedem zählt rund 8000 Einwohner auf gut 60 Quadratkilometern. Offizieller Slogan: „Lebenswert… liebenswert“. Nun ja: Der Bürgermeister freut sich in diesen Tagen, dass seine Partei für vier weitere Jahre die Kanzlerin stellen darf. Die Wirtschaft beschränkt sich auf eine Fabrik für Arbeitssicherheitsschuhe und einen Kartoffelgroßhandel. Und das kulturelle Highlight ist die „Uemse Knoll“ – eine in Bronze gegossene Rübe auf dem Marktplatz. Mehr nicht. So bescheiden lebt es sich auf der linken Seite des Niederrheins, nahe der holländischen Grenze.

Arndt
Arndt, Mitorganisator von “Kein Platz für Konzerte”

Dennoch: Die beiden Mittzwanziger Arndt Jansen und sein Buddy Philipp Richter lieben ihre Heimat. Mit Recht. Denn eigentlich ist es wirklich schön hier, eingebettet zwischen den grünen Oasen Uedemer Hochwald und Klever Reichswald. Und weil Arndt und Philipp es hier so sehr lieben, haben sie ihrer Heimat eine Konzertreihe geschenkt. Seit drei Jahren organisieren sie nonstop – und halten damit nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Dorfjugend bei Laune.

Drohbriefe und Billigbier
Die Konzertreihe hört auf den leicht trotzigen Namen „Kein Platz für Konzerte“, kurz KPFK. Mit der Zeit ist das Organisationsteam um Florian (Technisches) und Wilhelm (Fotos, Videos, Flyer) gewachsen. Doch das war ursprünglich gar nicht geplant.

Philipp
Philipp, ein weiterer Mitorganisator, selber an der Gitarre

Anfangs wollten Arndt und Philipp mit KPFK nur Auftrittsmöglichkeiten für ihre eigenen Projekte organisieren. Und tatsächlich stellen sie sich auch heute noch ab und an mit ihren Instrumenten auf die eigenhändig aufgebaute Bühne. Aber das sind mittlerweile eher Ausnahmen. Arndt spielt dann – mal solo, mal mit Band – unter dem Namen From Major To Minor Songs im Stile von Death Cab For Cutie und den Eels. Philipp schreibt mit seiner Band Klangtest Musik nach dem Vorbild von Kettcar und Gisbert zu Knyphausen.

Meist lockt das KPFK-Team seine Gäste in die Cafés und Kneipen zwischen Emmerich, Kleve und Weeze. Deren Betreiber freuen sich dann über junges Publikum und eine kleine Spitze in der monatlichen Absatzkurve. – Manchmal finden die Konzerte aber auch in Jugendzentren, kleinen Theatern oder Scheunen statt. „Nur schön muss es sein und nicht zu groß“, sagt Arndt.

Die Plakate und Flyer für ihre Veranstaltungen hat die KPFK-Mannschaft über lange Zeit im Drohbrief-Style aus Zeitungsschnipseln zusammengesetzt. Das ist Punk at its best. Genau wie die Bierpreise: „Bei Konzerten in Scheunen oder so, wo wir selber die Getränke machen, können wir dann aber mal Bier für nen Euro raus hauen, das sind dann auch irgendwie oft die besten Abende“, sagt Arndt. Auch nicht unwichtig.

Lokalhelden und Kabelstrecken
Weit über 20 Bands sind in den ersten Jahren bei KPFK aufgetreten – viele davon haben gleich mehrmals gespielt. Dazu zählen Lokalhelden wie Florians Soulquartett Soul Kiss, Wilhelms Stonerrock-Trio El Chupacabras und die Psychedelic-Folk-Jungspunde von Milford Sound ebenso wie das Ruhrpott-Bluesrock-Duo The Great Faults oder der omnipräsente Duracell- Hase an der Akustikgitarre, Alex Amsterdam aus Düsseldorf. Selbst in den Niederlanden haben Arndt und Philipp mittlerweile eine Hand voll Bands an der Angel. Lesungen gab es auch schon. Es sind immer die kleinen Namen, die am Niederrhein für große Momente sorgen. Nicht zuletzt, weil sie sich hier nett aufgenommen fühlen, vom Publikum und von den Veranstaltern.

Profi muss hier jedenfalls niemand sein. Vom Booking über die Werbung bis hin zur Technik erledigt die KPFK-Familie alles selbst – und ist dabei natürlich hier und da noch etwas unstrukturiert in der Organisation. So ist in den vergangenen Jahren schon die eine oder andere Tankfüllung für vergessene Bühnenkabel draufgegangen, sagt Arndt: „Die Strecken am Niederrhein sind doch weiter als man glaubt. – Aber mal ehrlich: Kabel sind überbewertet, die kann man auch mit 17 verschiedenen Adaptern zusammensetzen.“

Träume und Schlupflöcher
Der nächste große Traum der KPFK-Crew: Ein kleines Open-Air-Festival in Uedem. Kein Riesen-Event – nur eine kleine Bühne im Freien, ein Bierstand, ein Grill und Platz für 100 Besucher. Mehr wollen die Jungs gar nicht. Mit ihren Anfragen sind sie bisher al lerdings mehrmals an der Gemeindeverwaltung gescheitert. Man sei in puncto Sicherheit sehr sensibel geworden, sagt Arndt, auch bei Veranstaltungen dieser Größenordnung. Aber „wir sind gerade auf der Suche nach einem Privatgrundstück für das Open Air, damit wir zumindest in dem Punkt nicht mehr von der Gemeinde abhängig sind.“

 

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